Aliens 2 - SC Lechhausen 1908 e. V. - Ein Schachclub in Augsburg.

Direkt zum Seiteninhalt
SC Lechhausen 1908
Können Aliens Schach spielen?
Und wenn ja, auch auf Raumstationen?
Etwa zwei Säkula später, wir schreiben das Jahr 2370: Dieses Mal werfen wir einen Blick in die Raumstation "Deep Space 9", so eine Art Mittelding zwischen Pommes-Bude mit einem dicken Klingonen als Küchenchef und Tuningwerkstatt für unbekannte Fluobjekte. Obwohl die ganze Konstruktion vornehmlich in rund gehalten ist, ist sie dennoch kompatibel zu rechteckigen Schachbrettern. Wird also auch dort Schach gespielt? Ja, es wird.

Vor allem der CEO der Raumstation, Benjamin Sisko, und der CSO * der Labortechnischen Abteilung, eine gewisse Jadzia Dax, matchen offenbar des öfteren. Wobei nur Frau Dax ein Alien ist. Symbiotisch, doppelt gemoppelt sozusagen, ein Trill eben. Herr Sisko hingegen vertritt im Wettkampf Erde gegen Außerirdische die menschliche FIDE. Drücken wir ihm also die Daumen.

Schauen wir zunächst einmal zu, welche Zugpointen die beiden in der Folge Der Trill-Kandidat (Staffel 2, Folge  17) so produzieren.

* CEO dürfte wohl klar sein, und CSO = Chief Scientific Officer
Alien
Partie 1

Die erste Partie muss offenbar zuvor wegen einer Dienstbesprechung kurzfristig unterbrochen worden sein. Wir sehen nämlich, wie Frau Dax sich gerade zurück in die Diensträume des Käppis begibt, wo jener in genau diesem Augenblick mit einem Läufer den Bauern auf e7 einkassiert und gleichzeitig die Dame auf d8 und einen Turm auf f8, der sich nach der bereits erfolgten Rochade dort herumlümmelt, angreift. Ungerührt zieht Frau Dax Db6. In flotten Tempo folgen die weiteren Züge Lc4 Sxc3; Lc5 Tfe8+; Kf1 Le6; Lxb6.

O.k., das reicht uns (mehr wird ohnehin nicht gezeigt). Angesichts dieser Zugfolge und der Figurenkonstellation auf dem Brett wissen wir bereits jetzt: a) warum die beiden die Züge nur so herunterdreschen können und b) dass Ben Sisko in 23 Zügen mattgesetzt werden wird. Sie folgen nämlich der Partie Donald Byrne – Robert James Fischer, New York 1956, Rosenwald-Turnier, die Fischer gewann. Unglücklicherweise hat sich der gute Ben dazu entschieden, in die Rolle Byrnes zu schlüpfen, so dass es jetzt – wenn wir davon ausgehen, dass Jadzia im für uns unsichtbaren weiteren Verlauf der Partie nicht, wie weiland Kollege Mayweather (Teil1), zu einer unsinnigen Partieaufgabe gegriffen hat - 1:0 für die Aliens steht.

Aber noch ist nicht aller Sternzeit abend.
Es geht los mit Le7.
Es geht los mit Lxe7.
[Event "?"] [Site "Deep Space 9"] [Date "2370.??.??"] [Round "?"] [White "Sisko, Benjamin"] [Black "Dax, Jadzia"] [Result "0-1"] [ECO "D97"] [PlyCount "82"] [EventDate "1956.10.07"] [EventType "tourn"] [EventRounds "11"] {Die ersten Züge sehen wir nicht, es besteht jedoch die berechtigte Vermutung, dass es sich um diese handelt:} 1. Nf3 Nf6 2. c4 g6 3. Nc3 Bg7 4. d4 O-O 5. Bf4 d5 6. Qb3 dxc4 7. Qxc4 c6 8. e4 Nbd7 9. Rd1 Nb6 10. Qc5 $146 ({Eine Vorgängerpartie:} 10. Qd3 Be6 11. Qc2 h6 12. h3 Ne8 13. Be2 Nd6 14. O-O Qc8 15. b3 a5 16. Rc1 f5 {J. Levin - A.Sandrin, New York 1946}) 10... Bg4 11. Bg5 $2 (11. Be2 $14) 11... Na4 $1 $17 12. Qa3 (12. Nxa4 Nxe4) 12... Nxc3 13. bxc3 Nxe4 14. Bxe7 {Von diesem Zuga an sind wir dabei.} (14. Be3 $17) 14... Qb6 { Schwarz droht nun Tfe8.} 15. Bc4 Nxc3 $1 16. Bc5 (16. Qxc3 Rae8 17. Qe3 $17) 16... Rfe8+ {Schwarz hat einen starken Angriff.} ({Schwächer wäre} 16... Nxd1 17. Bxb6 axb6 18. Qc1 $16) 17. Kf1 Be6 $1 18. Bxb6 $4 {Der Rest wird uns nicht mehr gezeigt. (Die Originalpartie, Donald Byrne - Robert James Fischer, New York 1956, Rosenwald-Turnier, ging wie folgt weiter:} (18. Qxc3 Qxc5 19. dxc5 Bxc3 20. Bxe6 Rxe6 21. g3 $17) 18... Bxc4+ {Ab jetzt steht Schwarz vollkommen auf Gewinn.} 19. Kg1 Ne2+ $1 (19... Nxd1 {ist schwächer.} 20. Bc5 $17) 20. Kf1 Nxd4+ 21. Kg1 Ne2+ 22. Kf1 Nc3+ 23. Kg1 axb6 24. Qb4 Ra4 25. Qxb6 Nxd1 26. h3 Rxa2 27. Kh2 Nxf2 28. Re1 Rxe1 29. Qd8+ Bf8 {Droht 30...Th1+ 31.Kg3 Se4+ und Weiß wird früher oder später mattgesetzt.} 30. Nxe1 Bd5 31. Nf3 Ne4 32. Qb8 b5 33. h4 h5 34. Ne5 Kg7 {MIt der Idee Ld6.} 35. Kg1 Bc5+ 36. Kf1 Ng3+ 37. Ke1 Bb4+ 38. Kd1 Bb3+ 39. Kc1 Ne2+ 40. Kb1 Nc3+ 41. Kc1 Rc2# {)} 0-1
Partie 2

Wieder ist die Zeit dahingeeilt, wir haben schon 2371 (Das Equilibrium, Staffel 3, Folge 4) und werden Augenzeuge eines dramatischen Ereignisses . Wir stellen zunächst fest: Ben Sisko spielt schon wieder mit den weißen Steinen ("Vorrecht des Käptens!" würde Kollege Picard wohl formulieren). Aber, viel schlimmer, ein Schock! Mehr als zweihundert Jahren lang wurden im Star Trek-Universum die Bretter immer korrekt hingelegt und jetzt das! Das nebenstehende Bild beweist: der Ta8 steht auf einem schwarzen Feld! Da geht einem ja glatt der Glaube an die Zukunft verloren und Trauer umflort unser Haupt.

Kein Wunder also, dass darunter auch die Stimmung im Büro (ehrlich, die spielen im Büro, während der Arbeitszeit!) leidet. Dax, aus symbiotischen Gründen diesmal völlig von der Rolle, summt dauernd irgendetwas vor sich hin, was Sisko, mangels eines anwesenden Turnierleiters, höchstpersönlich selbst monieren muss. Nutzt aber nur kurzfristig. Die Eröffnung wird uns wie so häufig vorenthalten, außerdem bekommen wir dann lediglich drei Halbzüge zu sehen. Aber die und die Stellung auf dem Brett haben es derart in sich, dass wir daraus die gesamte Partie rekonstruieren können, denn auch sie hat ein Vorbild: Garry Kasparow - Viswanathan Anand, Tilburg 1991.
Ein schlechter Zug.
Dxc5 ist ernst gemeint.
[Event "?"] [Site "Deep Space 9"] [Date "2371.??.??"] [Round "?"] [White "Sisko, Benjamin"] [Black "Dax, Jadzia"] [Result "1-0"] [ECO "B48"] [PlyCount "57"] [EventDate "1991.10.??"] [EventType "tourn"] [EventRounds "14"] [EventCategory "17"] [SourceVersionDate "2019.12.23"] 1. e4 c5 2. Nf3 Nc6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Qc7 5. Nc3 e6 6. Be3 a6 7. Bd3 Nf6 8. O-O Ne5 9. h3 Bc5 10. Kh1 d6 11. f4 Nc6 $2 (11... Ng6 $11) 12. e5 $1 {Weiß steht schon klar besser.} Nxe5 $6 (12... Nd5 13. Nxd5 exd5 $16) 13. fxe5 { Und nun noch besser.} dxe5 14. Bb5+ $2 (14. Ndb5 $1 axb5 15. Bxb5+ Ke7 16. Bg5 $18) 14... axb5 $4 (14... Kf8 $1 15. Be2 exd4 16. Bxd4 Be7 $11) 15. Ndxb5 Qb6 16. Bxc5 {Das ist der erste Zug, den wir zu sehen bekommen.} Qxc5 {"Diesen Zug meinen Sie ernst, Dax?" "So ist es." Käppi zuckt mit den Schultern, spielt} 17. Nd6+ {und bemerkt freudestrahlend: "Schach!" Mit einem erbosten "Ich würde gerne wissen, wo dieser Springer herkommt!" bricht Dax stante pede einen Streit vom Zaun, unterstellt ihrem Chef, er sei ein Betrüger und pfeffert die Steine vom Brett. Partieende. (In Garry Kasparow - Viswanathan Anand, Tilburg 1991 gab es keine Prügelei und die Partie wurde regulär beendet wie folgt:} Ke7 18. Rxf6 $1 gxf6 19. Nce4 Qd4 20. Qh5 Rf8 21. Rd1 Qe3 22. Qh4 Qf4 23. Qe1 $1 Ra4 24. Qc3 Rd4 25. Rxd4 Qf1+ 26. Kh2 exd4 27. Qc5 { Es droht Sf5+ und Matt.} Kd7 28. Nb5 Qf4+ 29. g3 {)} 1-0
Conclusio (bitte nur lesen, wenn Sie Hiobsbotschaften gut vertragen können): Spätestens ab Mitte des 22. Jahrhunderts ist Schach ausgelutscht. Von da ab werden keine neuen Partien mehr kreiert, sondern nur noch diejenigen aus dem 20. Jahrhundert repetiert. Egal ob Alien oder nicht, aus des Schachspielers Sicht wird es nichts Neues mehr geben im Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.
SC Lechhausen 1908 e. V.
Simpertstraße 6 | 86153 Augsburg
Jugendtraining: Freitags ab 18:00 Uhr
Erwachsene: Freitags ab 19:00 Uhr
Online seit dem 7.1.1997
Zurück zum Seiteninhalt