Johann-Riebel-Gedenkturnier 2026

Am 15. Mai 2026 war es soweit: Das JRGT feierte seine Premiere in den Räumlichkeiten in der Fichtelbachstraße 3 – und damit gleichzeitig einen ersten Härtetest für die künftige Spielstätte des SC Lechhausen. Das Ergebnis vorweg: Die Figuren blieben weitesgehend unbeschädigt, die Wände stehen noch und Schach wurde auch gespielt.

Die Anmeldesituation erinnerte zunächst etwas an meine Partien: kompliziert und schwer vorherzusagen. Sechs externe Spieler hatten sich über die Ausschreibung des Schachverbands Augsburg gemeldet, drei davon mussten jedoch wieder absagen, darunter zwei krankheitsbedingt. Dazu kamen vier feste Zusagen aus den Reihen des SC Lechhausen.

Zum Meldeschluss zeigte sich dann einmal mehr, dass Schachspieler gerne spontan sind. Insgesamt 16 Teilnehmer fanden den Weg zum Turnier, darunter neun Spieler des SCL. In sieben Runden nach Schweizer System wurde um Punkte, Platzierungen und natürlich auch ein wenig um das schachliche Ego gekämpft. Mit 12 Minuten Bedenkzeit pro Partie blieb keine Zeit für stundenlange Grübeleien – wer zu lange nachdachte, musste damit rechnen, dass die Uhr die Partie schneller beendete als der Gegner.

Ein besonderes Highlight war Brett 1. Dort wurden die Züge per Kamera erfasst und live ins Internet übertragen per Twitch. Die Spitzenpartien konnten also nicht nur vor Ort verfolgt werden, sondern auch von allen, die lieber aus sicherer Entfernung über die Qualität der Züge urteilen wollten.

Durch die Teilnahme mehrerer Freizeitspieler entwickelte sich schnell eine lockere und angenehme Atmosphäre. Das hatte auch schachlich seinen Reiz. Es wurde beherzt analysiert und angegriffen – manchmal den gegnerischen König, manchmal die eigene Stellung. Auf den Brettern war alles zu sehen, was das Schachherz begehrt: schöne Kombinationen, überraschende Opfer, kreative Ideen und gelegentlich auch Züge, die so originell waren, dass selbst die anschließende Analyse eher neue Fragen aufwarf als Antworten lieferte.

Ab Runde 4 wurde deutlich, dass die Spieler des SCL nicht nur unglaublich gutaussehend waren sondern auch schachlich einiges zu bieten hatten. Runde für Runde kletterten die Vereinsmitglieder in der Tabelle nach oben, bis vor der letzten Runde sogar die Plätze 1 bis 4 fest in Lechhausener Hand waren.

Die Schlussrunde brachte dann den vereinsinternen Endspurt um die Spitzenplätze. Osman Yagci setzte sich gegen Zvonimir Martinovic durch und sicherte sich mit 5,5 Punkten den Turniersieg. Igor Tokarev gewann gegen Christian Frenkler und schob sich damit noch auf den geteilten zweiten Platz vor.

Nach der Siegerehrung wurden die Preisgelder verteilt. Wer dabei leer ausgegangen war, durfte noch auf sein Losglück hoffen: Zwei zusätzliche Preise wurden unter den Teilnehmern verlost und gingen an die Spieler auf den Plätzen 4 und 14. Manchmal lohnt es sich eben doch, bis zum Schluss sitzen zu bleiben.

So endete ein gelungener Schachabend mit spannenden Partien, guter Stimmung und einer vielversprechenden Premiere in den neuen Räumen. Wenn die nächsten Turniere ähnlich verlaufen, dürfte die Fichtelbachstraße künftig noch viele Mattsetzungen, Zeitnotdramen und Diskussionen über „eigentlich gewonnene Stellungen“ erleben.

v.l.n.r.: Igor Tokarev (2.), Osman Yagci (1.), Christian Frenkler (3.)